Sie haben sie erwischt, in flagranti. Da ist nichts mehr zu machen. Da kann sie sich auch nicht mehr rausreden. Ehebruch! Das Leben ist vorbei. Sie werden sie umbringen, besonders demütigend, sie werden sie steinigen. Jetzt haben sie sie rausgezerrt auf den Platz in der Mitte und alle stehen sie um sie herum, zeigen mit dem Finger auf sie.

Der Rabbi sagt lange nichts, er schreibt nur in den Sand. Und sie steht da, in der Mitte, die ganze Zeit. Schließlich sagt er „wer von euch ohne Sünde ist, der soll den ersten Stein werfen.“ Sie horcht auf. Sowas hat sie noch nie gehört. Sie sieht die Gesichter der Männer, die sie umringen. Die Empörung ist plötzlich weg. Beschämt starren sie auf den Boden, und einer nach dem anderen geht. Ganz leise. Am Ende steht sie allein dort auf dem Platz. Jetzt sieht er sie an und fragt „Hat dich niemand verurteilt?“. Nein, keiner hat sie verurteilt. „Auch ich verurteile dich nicht. Geh und sündige nicht mehr.“
Wir wissen nicht, wie es mit der Frau weitergeht. Die Geschichte endet hier. Sie berührt mich immer wieder. Denn sie zeigt eine Haltung, die ich mir oft zum Vorbild nehme. Jesus fragt nicht, was war. Es interessiert ihn nicht die Vergangenheit. Er ruft die Frau auch nicht in seine Nachfolge. Es gibt nicht einmal eine Moralpredigt. „Geh und sündige nicht mehr.“ Mach es ab jetzt besser. So einfach ist das. Wäre es doch auch bei uns so einfach. Nun ist Ehebruch kein einfaches Vergehen und selbst da, geht es Jesus um das Leben (natürlich das in Fülle). Zu diesem Leben gehört es, aus Fehlern zu lernen. Mach es ab jetzt besser.
Ich bin sicher, die Frau hat diese Begegnung, die im wahrsten Sinne des Wortes für sie lebensrettend und lebenswendend war, nie vergessen. Und ich bin genauso sicher: wir alle kennen solche Begegnungen. Ein Satz, manchmal nur ein Wort und alles ändert sich.
Mach es ab jetzt besser. Mehr brauchen wir nicht und mehr müssen wir auch ungefragt nicht sagen. Dann nämlich beginnen wir, Fehler wirklich als Chance zu begreifen, und dann müssen wir auch nicht mehr so viel Angst haben, dass wir bei einem Fehler erwischt werden. Wenn Fehler zu Wegweisern werden, es besser zu machen, und nicht Gelegenheiten sind, Demütigungen zu kassieren, dann beginnt Gottes Reich unter den Menschen.
Text: Andrea Ludwig
Bild: canva.com






