besser machen

eine Chance

 
Sie  haben sie erwischt, in flagranti. Da ist nichts mehr zu machen. Da kann sie sich auch nicht mehr rausreden. Ehebruch! Das Leben ist vorbei. Sie werden sie umbringen, besonders demütigend, sie werden sie steinigen. Jetzt haben sie sie rausgezerrt auf den Platz in der Mitte und alle stehen sie um sie herum, zeigen mit dem Finger auf sie.
 
Doch bevor sie sie umbringen, werden sie sie noch einmal benutzen. Sie werden diesem fremden Rabbi eine Falle stellen. Und diese Falle ist sie selbst. Keinen interessiert, warum sie diesen Ehebruch begangen hat oder ob sie das freiwillig getan hat. Sie ist ja nur eine Frau, eine Ehebrecherin. Ihr Leben ist sowieso vorbei. Vorsichtig schaut sie den Fremden an. Er sitzt auf der Erde und schreibt in den Sand. Was er schreibt, kann sie nicht sehen. Es wäre auch egal, sie kann nicht lesen, natürlich, sie ist ja nur eine Frau, eine arme dazu.
 
Der Rabbi sagt lange nichts, er schreibt nur in den Sand. Und sie steht da, in der Mitte, die ganze Zeit. Schließlich sagt er „wer von euch ohne Sünde ist, der soll den ersten Stein werfen.“ Sie horcht auf. Sowas hat sie noch nie gehört. Sie sieht die Gesichter der Männer, die sie umringen. Die Empörung ist plötzlich weg. Beschämt starren sie auf den Boden, und einer nach dem anderen geht. Ganz leise. Am Ende steht sie allein dort auf dem Platz. Jetzt sieht er sie an und fragt „Hat dich niemand verurteilt?“. Nein, keiner hat sie verurteilt. „Auch ich verurteile dich nicht. Geh und sündige nicht mehr.“
 
Wir wissen nicht, wie es mit der Frau weitergeht. Die Geschichte endet hier. Sie berührt mich immer wieder. Denn sie zeigt eine Haltung, die ich mir oft zum Vorbild nehme. Jesus fragt nicht, was war. Es interessiert ihn nicht die Vergangenheit. Er ruft die Frau auch nicht in seine Nachfolge. Es gibt nicht einmal eine Moralpredigt. „Geh und sündige nicht mehr.“ Mach es ab jetzt besser. So einfach ist das. Wäre es doch auch bei uns so einfach. Nun ist Ehebruch kein einfaches Vergehen und selbst da, geht es Jesus um das Leben (natürlich das in Fülle). Zu diesem Leben gehört es, aus Fehlern zu lernen. Mach es ab jetzt besser.
 
Ich bin sicher, die Frau hat diese Begegnung, die im wahrsten Sinne des Wortes für sie lebensrettend und lebenswendend war, nie vergessen. Und ich bin genauso sicher: wir alle kennen solche Begegnungen. Ein Satz, manchmal nur ein Wort und alles ändert sich.
 
Mach es ab jetzt besser. Mehr brauchen wir nicht und mehr müssen wir auch ungefragt nicht sagen. Dann nämlich beginnen wir, Fehler wirklich als Chance zu begreifen, und dann müssen wir auch nicht mehr so viel Angst haben, dass wir bei einem Fehler erwischt werden. Wenn Fehler zu Wegweisern werden, es besser zu machen, und nicht Gelegenheiten sind, Demütigungen zu kassieren, dann beginnt Gottes Reich unter den Menschen.
 
 
 
 
 
Text: Andrea Ludwig
Bild: canva.com