
Dieses komische Gefühl kann man übrigens ganz leicht an sich selbst beobachten: einfach mal die Hände falten und schauen, welcher Daumen oben liegt, der rechte oder der linke. Und dann die Hände so falten, dass eben der andere oben liegt (also nicht nur die Daumen umlegen, sondern wirklich die Hände anders falten). Das fühlt sich wirklich komisch an, dabei geht es ja um nichts. Und genauso geht es uns mit allen anderen Gewohnheiten, die wir ändern.
Zuerst machen wir es unbewusst auf eine bestimmte Art und Weise und nichts fällt uns auf. Sind wir aber erst einmal für diese eine Sache sensibilisiert, fällt sie uns sofort auf, wenn wir es machen und wir ärgern uns. Und dann beginnen wir, es anders zu machen und auch das merken wir sofort, weil es sich eben komisch, nämlich anders anfühlt. Bis wir es irgendwann verinnerlicht haben. Dann machen wir es auf die neue Weise und es erscheint uns ganz normal. Wer Autofahren gelernt hat und sich noch an die Fahrstunden erinnert, weiß, dass es genauso ging, als wir lernten, mit der Kupplung klar zu kommen.
Für dieses Lernen brauchen wir Geduld, Geduld mit uns selbst. Ich finde, dass wir oft viel zu ungnädig mit uns selbst sind. Wir ärgern uns über uns selbst und meckern an uns rum, wie wir es mit anderen niemals machen würden. Bei anderen sind wir meist viel nachsichtiger mit dem Lernen als bei uns selbst. Manchmal meinen wir ja, wenn wir etwas wüssten, dann könnten wir es auch. Man muss doch nur …. Ja, das stimmt, aber wir leben eben auch von der Gewohnheit – wer wäre nicht schon mal aus Gewohnheit den vertrauten Weg gefahren, obwohl er doch eigentlich heute mal woanders hin wollte?
Wir müssen nicht perfekt sein, wir können uns die Zeit ruhig zugestehen, die wir zum Lernen brauchen. „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!“ Daran sollten wir uns vielleicht häufiger mal erinnern. Ich habe wenig Sorge, dass wir dann faul und bequem werden, denn mit sich selbst geduldig zu sein, ist auch etwas Neues für viele von uns. Und wenn es mir jetzt nicht gelungen ist, dann eben beim nächsten Mal – Gelegenheiten gibt es ja genug. Das einzige, was ich in dieser Sache unverzeihlich finde, ist, sich nicht mehr verändern zu wollen. Denn wir sind auf Wachstum angelegt, darauf, immer mehr der Mensch zu werden, den Gott in uns angelegt hat. Es lohnt sich, daran zu arbeiten, nicht als Wettbewerb und mit Leistungsdruck, sondern mit Nachsicht, aber auch mit Beharrlichkeit. Denn auch das ist ein Weg zum Leben in Fülle.
Text und Bild: Andrea Ludwig





