social media

und die wirkliche Wirklichkeit

Am 10. Februar war safer internet day und ich hab sofort an die Berufswünsche vieler meiner Schülerinnen und Schüler gedacht. Viele von ihnen möchten YouTuberin werden oder influencer, weil „man damit ganz viel Geld verdient“.
 
Da ist was dran. Als Influencer kann ich in kurzer Zeit ein Vermögen machen – ein Vermögen, für das wir aufkommen, wenn wir die angepriesenen Produkte kaufen oder in den beworbenen Läden shoppen gehen. Natürlich hat das Leben als Influencerin auch eine Schattenseite, aber das sehen die Kinder ja nicht.
 
Erstaunlich gut kennen sich die Kinder aus auf Instragram und TikTok. Vielleicht sogar besser als die Eltern. Das social media unseren Kindern schadet, wissen wir ja. Eigentlich. Wir setzen sie trotzdem dem Einfluss der Logarithmen aus und haben vielleicht auch schon gar nicht mehr die Wahl.
 
Denn wer einmal etwas auf Insta oder Facebook angeschaut hat, bekommt auch immer wieder ähnliche Inhalte vorgeschlagen. Das ist bei komischen Katzenvideos wahrscheinlich kein Problem. Wenn es aber um andere Inhalte geht, finde ich das schwierig. Denn wir sehen keine andere Meinung mehr. Das kann uns schon recht schnell verleiten, anzunehmen, unsere Meinung sei die Mehrheitsmeinung. Oft ist das falsch.
 
Schlimmer ist allerdings der Logarithmus von TikTok. Hier werden nämlich Inhalte vorgeschlagen, die besonders viele Menschen angeschaut oder gelikt haben. Und dann kann es vorkommen, dass unseren Kindern Bilder von realen Kriegsschauplätzen eingespielt werden. Das wollen wir sicher nicht.
 
Aber was tun? Aktuell wird über ein social-media-Verbot für Kinder diskutiert. Ob das so schlau ist? Schließlich müssen die Kinder ja Medienkompetenz lernen. Oder? Andererseits könnten wir ja das eine tun und das anderen nicht lassen. Beim Alkohol machen wir das ja auch. Wir verbieten ihn für Kinder und sprechen trotzdem mit ihnen über Drogen.
 
Und wie beim Alkohol auch, ist das Vorbild der Erwachsenen entscheidend. Wenn Kinder Erwachsene erleben, die mit gesenktem Kopf auf ihr Handy starren anstatt miteinander zu reden, lernen sie eben, dass social media wichtiger ist ein Gespräch. Wer alles immer gleich postet, vermittelt eben den Eindruck, die digitale Welt mit ihren fragwürdigen Frauen und Körperbildern sei superwichtig.
 
Nein, social media ist nicht böse. Es gibt viele sehr hilfreiche oder unterhaltsame Accounts, aber eben auch welche, die ich gar nicht durchschaue. Wie so oft macht es das Maß. Denn social media ist eben nicht die wirkliche Wirklichkeit, sondern immer nur ein Ausschnitt, der oft genug noch aufgehübscht wird. Da können wir schon den Eindruck bekommen, dass andere ein perfektes, besseres Leben haben als wir. Dass das nicht stimmt wissen wir oft auch nur so irgendwie.
 
Wirklich superwichtig ist richtiger persönlicher Kontakt. Sich anschauen, miteinander reden, sich um den richtigen Weg streiten, miteinander feiern und hinterher aufräumen, sich zanken und versöhnen, lachen, planen, singen, weggehen und wiederkommen, helfen, teilen, trösten und die Macken der anderen aushalten.
 
Wir wissen das alles. Wir müssen uns halt immer wieder darauf besinnen. Vielleicht wäre ja die Fastenzeit dieses Jahr mal eine Möglichkeit, auf etwas social media zu verzichten…
 
 
 
 
Text: Andrea Ludwig
Bild: geralt / cc0 - gemeinfrei / Quelle: pixabay.com  27.02.2019