Was wäre,
wenn ...

Was wäre eigentlich, wenn Mama plötzlich wieder gesund wäre? Würde Papa dann wieder zum Stammtisch gehen?
Was wäre eigentlich, wenn Mädchen doch Mathe könnten? Würde Mira dann vielleicht Physik studieren?
Was wäre eigentlich, wenn Paul und Michael keinen Streit mehr hätten und wieder Freunde wären? Würde dann der Spielplatz wirklich geputzt?
Was wäre eigentlich, wenn der Kollege, der alle so nervt plötzlich weg wäre? Könnten wir dann wirklich alle endlich in Ruhe arbeiten?
Was wäre eigentlich, wenn ich doch diese Ausbildung zur Physiotherapeutin machte? Würde ich erfüllter und glücklicher arbeiten?
Bei solchen Fragen, denken wir meistens immer eine Möglichkeit konkret durch. Wir könnten die Frage aber auch offenlassen und bedenken. Wenn Mama plötzlich gesund wäre, wäre vielleicht Raum und Energie, um Sarah doch zum Reiten zu fahren. Wenn Mädchen doch Mathe könnten, würde Mira vielleicht trotzdem lieber Schreinerin werden, hätte aber viel mehr Freude am Lernen. Wenn Paul und Michael wieder Freunde wären, würden sie vielleicht eher miteinander zum Fußball gehen, aber ihre Kinder könnten zusammen in die Ferien fahren. Wenn wir der nervige Kollege weg wäre, würde die Meier aus der zweiten Etage vielleicht anfangen, dauernd rumzumeckern. Wenn ich diese Ausbildung mache, wäre die Arbeit vielleicht immer noch manchmal blöd, aber ich würde meinen Traum verwirklichen.
„Was wäre wenn“-Fragen können uns öffnen für neue Ideen. Mit dieser Frage kann ich mir ja auch mal etwas sonst völlig Undenkbares vorstellen (was wäre, wenn es keine Autos mehr gäbe?). Ich könnte überlegen, was dann möglich wäre und was nicht, oder was dann nötig wäre und was nicht.
Wir stellen uns diese Frage ja oft genug – ganz oft ist sie aber mit Schrecken verbunden und wir spielen alle möglichen Situationen durch. Wir könnten die Frage aber auch nutzen, um das eigene Leben mal aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Was wäre eigentlich, wenn ich auf die Hälfte meiner Klamotten verzichte? Würde sich etwas ändern? Was wäre eigentlich, wenn das Internet für zwei Monate ausfällt? Was würde ich dann nur tun?
Dieses „Probehandeln im Kopf“ lässt mich auf neue Ideen kommen, manchmal merke ich, dass der Kern des Problems ganz anders ist, als ich dachte und meine Lösung gar nicht zum Problem passt. Klar, das meiste werde ich nicht umsetzen, weil es einfach utopisch ist. Doch wenn ich mich für den ein oder anderen Augenblick auf etwas völlig Utopisches einlassen, komme ich oft auf ganz einfache Dinge, die mich weiterbringen oder glücklicher machen oder die ich immer schon machen wollte.
Was genau wäre wohl meine aktuelle „was wäre, wenn“ – Frage?
Ach ja, und was wäre wohl, wenn Gott heute Mensch würde?
Text: Andrea Ludwig
Bild: canva.com





