
Ich schreibe Weihnachtskarten. Einen Teil meiner Weihnachtsgrüße verschicke ich online – das wird auch immer mehr – aber ich habe eine Liste von Menschen, die Jahr für Jahr eine Weihnachtskarte von mir bekommen.
Darunter sind einige Menschen, mit denen ich schon seit Jahren keinen Kontakt mehr habe. Außer eben der Weihnachtskarte. Das sind Menschen, mit denen mich einmal etwas verbunden hat. Da gab es wohlwollend-freundschaftliche Beziehungen und ein liebevolles Miteinander.
Doch jetzt ist der Kontakt irgendwie abgerissen oder besser eingeschlafen; ohne böse Absicht, eigentlich ohne jede Absicht. Das gemeinsame Projekt ist zu Ende gegangen oder wir leben jetzt weit voneinander entfernt und nehmen nicht mehr am Leben der anderen teil oder etwas in der Art. Beim letzten Treffen haben wir gesagt „wir bleiben in Kontakt“ und wussten, dass das nicht stimmt. Aber so ein Abschied ohne Perspektive – das wollten wir uns nicht zumuten.
Solche Abschiede gibt es immer wieder. „Wir bleiben in Kontakt“ – manchmal meine ich aber etwas anderes, nämlich „Das war eine schöne Zeit mit Dir. Jetzt ist sie vorbei. Hab eine gute Zeit und mach’s gut!“. Aber das sage ich natürlich nicht, weil es mir zu endgültig klingt und unfreundlich erscheint.
Trotzdem weiß ich natürlich, dass unsere Beziehung nicht so eng war, dass ich jetzt noch viel Energie da hinein investieren kann (und manchmal auch will). Das ist normal und menschlich – ich kann ja nicht mit allen Menschen, die ich einmal nett fand, freundschaftliche Beziehungen pflegen.
Außer zu Weihnachten!
Einige dieser mehr oder weniger flüchtigen Bekanntschaften schaffen es in die Weihnachtspost. Es ist ein bisschen so, als wollte ich die Hoffnung nicht aufgeben, dass wir uns vielleicht doch noch einmal treffen und eine gute Zeit miteinander haben könnten. Und genau das sagt die Karte ja auch.
Und: jedes Jahr kurz vor Weihnachten schwelge ich so ein bisschen in Erinnerungen an schöne Zeiten und gute Begegnungen. Allein das wäre es ja schon wert, finde ich.
So bleibe ich eben doch in Kontakt, wenigstens ein bisschen und das zu einem guten Anlass. Denn an Weihnachten feiern wir, dass Gott mit uns in Kontakt kommen und bleiben will. Dafür hat Gott einen besonderen Weg gewählt.
Indem er Mensch wird zeigt er ja Mitgefühl auf eine ganz besondere Weise. Gott geht den Weg der Menschen, Gott fühlt mit uns – damals und heute natürlich auch.
Gott bleibt in Kontakt. Immer wieder gibt er sich zu erkennen, mal deutlicher, mal etwas verborgen - an Weihnachten, aber ganz besonders. Es ist unsere Entscheidung, was wir daraus machen.
Fröhliche Weihnachten und eine gute „Kontaktzeit“!
Text: Andrea Ludwig
Bild: Canva.com





