Gaudete – freut euch!
So heißt der dritte Sonntag im Advent. Es ist einer von zwei Sonntagen im ganzen Jahr mit rosa als liturgischer Farbe. Rosa als „helles violett“ verweist auf diese Freude. Dazu passt ganz besonders das Magnificat, finde ich, der Lobgesang Marias.
Die Situation ist bekannt: die unverheiratet schwangere Maria besucht die unerwartet doch noch schwangere Elisabeth. Als Elisabeth Marias Gruß hört, hüpft das Baby in ihrem Bauch – der spätere Revoluzzer Johannes, genannt der Täufer – vor Freude in ihrem Bauch. Als Elisabeth das Maria erzählt, preist diese die Größe des Herrn. Und was sie da singt, klingt ein bisschen nach Revolution, sogar heute noch.

Meine Seele preist die Größe des Herrn,
und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.
Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut.
Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.
Denn der Mächtige hat Großes an mir getan und sein Name ist heilig.
Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten.
Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten:
Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind;
er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen.
Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen.
Er nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen,
das er unsern Vätern verheißen hat, Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.
Ja! Okay, das mit der Niedrigkeit müssten wir heute diskutieren, aber nicht im Blick auf Gott - wir würden anderes formulieren. Doch besonders der letzte Teil drückt genau meine Hoffnung aus, meine Sehnsucht. Diese machtvollen Taten wünsche ich mir heute mehr denn je. Es ist vor allem die Option für die Armen, die hier stark gemacht wird. Und es ist gleichzeitig ein Lied voller Jubel, Erinnerung und Hoffnung, etwas, das wir gerade in diesem Advent gut brauchen können.
Ich finde Maria großartig, sie lässt sich komplett auf Gott ein – egal, ob Josef sie nun heiratet oder nicht – mit Gottes Sohn wird ihr Leben auf jeden Fall anders laufen als geplant. Sie fragt nicht nach dem Warum. Einen armen Zimmermannssohn hat sich ja niemand als Erlöser erhofft. Maria ist in dieser Situation wirklich ein Vorbild an Zuversicht und Optimismus.
Jedenfalls wird sie so dargestellt. Auf vielen Bildern und Skulpturen sehen wir eine milde lächelnde, oft sehr kitschig gnädige Frau, die so auserwählt und rein dargestellt wird, dass sie mit mir und meinem Leben kaum noch etwas zu tun hat. Schwanger sehen wir sie übrigens wirklich selten...
Ich glaube, Maria ist eher geprägt von jener heiteren Gelassenheit, die wächst, je mehr wir uns Gott anvertrauen, uns auf Gott einlassen. Das ist kein träges „Ich kann ja doch nichts tun, Gott wird’s schon richten“. Das ist ein aktives „Ich tue, was ich kann und der Rest liegt in Gottes Hand.“
Und das gefällt mir, macht mir Mut, treibt mich an, Dinge zu versuchen, auch wenn es Hindernisse gibt. Denn oft geht ja viel mehr als ich zuerst dachte.
Es hat schon seinen Grund, dass wir diese alten Texte immer wieder neu lesen, beten und singen. Vielleicht gelingt es uns ja grade an diesem Sonntag für einen Moment in den Jubel über Gott, unseren Retter einzustimmen.
Text: Andrea Ludwig
Bild: Silvia Dufner beim Haus Gries





