
„Du sollst dem Kaiser geben, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört!“ Sie verschränkt die Arme. So steht es in der Bibel und damit ist ja wohl klar, dass ihre Absicht jetzt umzusetzen ist!
So etwas passiert mir manchmal. Da wird die eigene Position mit einer Bibelstelle untermauert und erwartet, dass damit jede Diskussion beendet ist.
Wir wissen es ja längst, in der Bibel lässt sich für jede Position ein passendes Zitat finden. Die Bibel ist Gottes Wort im Menschenwort. Es muss gedeutet werden, es soll gedeutet werden. Sorgfältig, unter Berücksichtigung von Erkenntnissen der Wissenschaft und nicht leichtfertig nach eigenem Gutdünken. Das ist eine große Herausforderung. Das ist aber auch eine große Chance.
Anders als Thora oder Koran wird die Bibel im Gottesdienst in der Landessprache gelesen - das war nicht immer so. Das ist Ausdruck der Überzeugung, dass Gottes Wort bei allen ankommen kann und will. Die frohe Botschaft, die Botschaft vom Guten lässt sich in jede Sprache übersetzen; und jede Übersetzung ist ja auch schon eine Deutung.
Immer wieder müssen wir die Heilige Schrift in unsere Zeit, in unsere Gesellschaft hinein übersetzen. Das ist nicht so einfach, weil wir so viele Geschichten ja schon kennen. Manchmal müssten wir aufräumen mit alten Bildern, z.B. mit Ochs und Esel an der Krippe. Tun wir aber nicht immer.
Denn auch die Bilder, die wir heute nicht mehr so aus der Bibel ableiten können, die aus wissenschaftlicher Sicht der Korrektur bedürfen, auch diese Bilder sind Teil unserer Glaubenstradition. Wir müssen sie nicht gleich verwerfen, wir können sie auch mit einer neuen Perspektive anschauen, etwa als Zeugnis des Glaubens unserer Vorfahren, denen es gelang, die biblische Geschichte in ihren Lebenszusammenhang einzubinden.
Fragen wie „Was ist wirklich von Jesus?“ oder „Wie war es denn in echt?“ können spannend sein. Was würde ihre Beantwortung verändern? Manches müssten wir wirklich überdenken und das geschieht auch immer wieder. 2016 gab es die neue Einheitsübersetzung, die unsere Lesegewohnheiten an so mancher Stelle auf eine harte Probe stellte.
Andererseits bleiben die Texte der Bibel ja Zeugnisse eines gelebten Glaubens. Sie müssen immer noch gedeutet und erklärt werden. Manchmal aber suchen wir auch einen direkten Zugang zum Text; und auch das tun wir in der Regel nicht einfach so und willkürlich. Beim Bibelteilen stellen wir uns etwa gegenseitig unsere Eindrücke zur Verfügung und vergewissern uns unserer Deutungen und immer gibt es da einen Impuls zum Handeln und ein Gebet.
Nein, wir dürfen die Bibel nicht wir einen Kramladen zur Bestätigung unserer Ansicht verwenden. Die Bibel lädt uns ein, Gott zu entdecken, uns auf Gottes Angebot einzulassen, Gott für mein Leben spürbar zu machen.
Und wie bei der Übersetzung in eine andere Sprache, brauchen wir vielleicht auch ab und zu eine Übersetzung in neue gesellschaftliche Situationen, weil z.B. Geschlechtergerechtigkeit bestimmt Teil von Gottes froher Botschaft ist, aber sicher nicht zur Lebensrealität Jesu gehörte.
Text: Andrea Ludwig
Bild: Friedbert Simon. In: Pfarrbriefservice.de
Text: Andrea Ludwig
Bild: canva.com





