Neue Wörter

für die gute Botschaft

 
 
Ich mag alte Wörter, ich benutze sie auch manchmal noch. Ich sage „Obacht“ statt „Achtung“ oder ich finde Dinge garstig, töricht oder kapriziös. Dass das altmodisch ist, weiß ich, aber ich mag diese Wörter trotzdem. Schon jetzt verstehen Kinder sie nicht mehr alle.
 
Ich lerne auch neue Wörter, ich weiß was neurodivergent ist oder was preloved bedeutet. Ich mag auch solche Wörter, ich brauch nur etwas, um mich an sie zu gewöhnen. Junge Erwachsene benutzen sie beiläufig, wo ich noch ein bisschen überlegen muss, ob das jetzt wirklich so richtig ist.
 
Mir persönlich gefällt das. Es hält ja lebendig und jung. Sprache verändert sich, heute vielleicht schneller als jemals zuvor. Einige Wörter meiner Jugend (jovel) sind verschwunden, manche davon hat es in dieser Gegend Deutschland gar nicht gegeben. Wörter die unsagbar anstößig waren – geil – gehören heute zum normalen Sprachgebraucht der Mehrheit.
 
Es ist gut, dass die Sprache sich verändert, weil sich eben auch unsere Welt verändert. Manch einer vermisst die „gute alte Zeit“ und kann an dem „neumodischen Kram“ so gar keinen Gefallen finden. Doch selbst das ist nicht neu. Schon Sokrates wusste über die Jugend nicht viel Gutes zu sagen: „Die Jugend von heute liebt den Luxus, hat schlechte Manieren und verachtet die Autorität. Sie widersprechen ihren Eltern, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.“ Jedenfalls wird ihm dieser Ausspruch zugeschrieben. Wer könnte da nicht alles zustimmen (also gut, teilweise).
 
In dem Maße wie die Welt und mit ihr unsere Sprache sich verändern, muss sich aber auch unser Reden von Gott verändern. Jesus als Hirte und seine Freunde als die Schafe, das ist ein Bild, das heute nicht mehr problemlos für Kinder funktioniert. Da muss ich gegen das Bild vom blöden Schaft anerklären, das Jesus völlig fremd war. Manch anderes Bibelwort scheint gar nicht mehr in unsere Welt zu passen.
 
Das macht die Kernaussagen der Bibel aber nicht falsch. Gottes Reich bricht an, hier und jetzt, immer wieder neu. Jesus hat Worte gefunden, die in seine Zeit passten. Er war dabei wunderbar charismatisch, witzig, provokant und kreativ.
 
Wir müssen Worte finden, die in unsere Zeit passen und dürfen dabei ruhig auch kreativ sein, witzig und provokant, eine Stimme für seine Botschaft. Da kann es gar nicht zu wenige Stimmen geben; und es dürfen, ja es müssen ganz verschiedene Stimmen sein. Denn wir gehen nicht mehr zu unterschiedlichen Völkern, wir gehen in unterschiedliche Milieus und Communitys.
 
Egal in welchen Worten: Gott liebt dich – das geht auf viele Weise. Wir müssen es nur tun.
 
 
 
 
 
 
Text: Andrea Ludwig
Bild: paulbr75 / cc0 – gemeinfrei / Quelle: pixabay.com