Heute gibt es einen Text des von mir sehr geschätzten Kollegen Peter Otten, einfach weil ich ihn sehr gut finde. Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt und darf nicht ohne Erlaubnis benutzt werden.
Ich sitze in der Bahn hinter einem Typen, der lautstark in sein Handy brüllt und vor einem sichtlich bekifften Jüngelchen, der in seinen Traum hinein eine undefinierbare Melodie säuselt. Und ich frage mich: Diese Welt soll geliebt sein? Von Gott? Ich meine, ich liebe sie auch manchmal. Wenn mein Hund auf meinen Schoß springt oder wenn ich an Karneval angenehm betrunken bin. Aber meistens ist sie doch anstrengend. Laut. Unfreundlich. Widersprüchlich. Und riecht streng.

Warum? Weil es bedeutet: Gerade das Elend, das Dunkle, das Missratene wird nicht weggeleugnet. Gott steigt nicht wie ein Unternehmensberater vom Himmel, macht ein paar kluge Powerpoints und verschwindet wieder. Jedes Kreuz sagt: Gott kennt Schmerz, Scheitern, Verlassenwerden. Das ist Trost – weil es heißt: Du bist da nicht allein drin. Wer schon einmal am Sterbebett saß, wer eine Kündigung kassiert hat, wer das Ende einer großen Liebe erlebt hat, der weiß, wie trostlos solche Momente sind. Da ist ein Gott, der sagt: Genau da kenne ich mich aus. Das ist doch groß, oder?
Und dann ist da noch dieser Satz: „Damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht.“ Ich meine, ich hab mich schon verloren gefühlt, obwohl ich an Gott glaube. Zum Beispiel, als ich versucht habe, mit Online-Hilfe das kaputte Mikro an meinem Handy zu reparieren. Glauben schützt nicht vor Irrsinn. Aber vielleicht hilft er, ihn zu überleben. Gott liebt die Welt. Auch die mit den bekifften Falschsängern, dem Klosteingeruch und all den verlorenen Seelen. Und das ist, in allem Irrsinn, eine ziemlich gute Nachricht.
Text: Peter Otten, Erzbistum Freiburg
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