
Eifersucht ist wie ein Schatten, der sich in unsere Seele schleicht, wenn wir uns sogen: Etwas, das mir wichtig ist, könnte mir genommen werden. Oft zeigt sie sich in Beziehungen: Wir fürchten, die Liebe oder Aufmerksamkeit eines anderen zu verlieren. Doch auch in anderen Situationen gibt es Eifersucht – immer dort, wo wir uns in unserem Wert bedroht fühlen.
Eifersucht ist ein unangenehmes Gefühl und es ist auch gesellschaftlich nicht besonders angesehen. Doch sie ist Ausdruck einer tieferen Angst: der Angst, nicht genug zu sein. Sie entsteht, wenn wir uns und unser Selbstwertgefühl abhängig machen von Anerkennung, Zuwendung oder Bestätigung anderer. An uns nagt die leise Frage: Bin ich wirklich liebenswert? Genüge ich so, wie ich bin?
Diese Angst ist zutiefst menschlich. Aber sie kann uns gefangen nehmen, wenn wir sie nicht bewusst anschauen. Eifersucht macht eng, sie zieht unser Herz zusammen. Sie bringt uns dazu, andere zu kontrollieren, misstrauisch zu sein oder uns selbst klein zu machen.
Eifersucht entsteht, weil wir soziale Wesen sind, weil wir dazu gehören, gesehen und geliebt sein wollen. Wir spüren, dass wir allein nicht leben können, dass wir einander brauchen. Darum ist es auch so ein mächtiges Gefühl, gegen das wir mit reiner Logik kaum ankommen können.
Okay, aber was tun mit der blöden Eifersucht?
Vielleicht müssen wir uns zuerst eingestehen: Ja, da ist Eifersucht in mir. Sie zeigt mir, dass ich mich nach Sicherheit und Liebe sehne. Ich könnte darüber reden, es muss ja nicht gleich die große Lebensbeichte werden, aber sowas wie „ich merke, dass ich anfange, ein bisschen eifersüchtig zu werden, wenn …“ das sollte möglich sein bei Menschen, denen ich vertraue. Das nimmt ja schon ganz viel Druck.
Und dann hilft es, wenn ich mir bewusst mache, dass mein Wert nicht davon abhängt, wie viel Aufmerksamkeit oder Liebe ich von außen bekomme. Mein Wert ist mir geschenkt – unverfügbar und unverlierbar. „Du bist mein geliebtes Kind!“ – dieser Zuspruch gilt auch für mich.
Das ist nicht leicht, ich weiß, aber was wäre die Alternative?
Wir brauchen einander, immer wieder. Wir müssen uns ab und zu unserer gegenseitigen Zuwendung versichern, damit wir uns wohl fühlen. Leichter wird es, wenn wir uns auf Gottes Zuspruch, Gottes Liebe und Gottes Gegenwart besinnen.
Text: Andrea Ludwig
Bild: canva.com





