Wunder – das klingt nach etwas ganz Großem; nach etwas, was alle Logik sprengt, nach Heilung und Versöhnung, die niemand (mehr) für möglich gehalten hat, nach Katastrophen, bei denen es nochmal gut gegangen ist (da sprechen wir ja sehr gern von „Schutzengeln“). Solche Geschichten faszinieren uns. Wir fragen uns: Warum da – und nicht dort? Warum dieser Mensch – und nicht ich?
Vielleicht brauchen wir einen weiteren Blick. Denn Wunder sind viel mehr als das, was die Schlagzeilen füllt. Oft geschehen sie im Stillen, im Alltag, in Situationen, die kaum jemand bemerkt.

Es ist ein Wunder ist, wenn einer, der längst aufgegeben schien, plötzlich wieder neuen Mut fasst.
Es ist ein Wunder ist, wenn mitten in Trauer und Angst eine einfach da ist, zuhört, schweigt und alles mit.
Es ist ein Wunder in die Natur zu schauen: eine Knospe, die sich trotz Frost öffnet; Licht, das durch dunkle Wolken bricht, ein Blatt an einem trockenen Zweig.
Das Johannesevangelium spricht nicht von „Wundern“, sondern von „Zeichen“. Das ist ein wichtiger Unterschied. Ein Zeichen verweist auf etwas. Es macht aufmerksam auf eine Wirklichkeit, die größer ist als das, was wir sehen. Jesu Zeichen lenken den Blick nicht auf den Effekt, sondern auf das, was dahintersteht: Gottes Nähe, Gottes Zuwendung und Liebe.
Wahrscheinlich ist genau das die eigentliche Funktion von Wundern und Zeichen: Sie sollen deuten und hinweisen, nicht blenden und bezaubern. So können uns die Augen aufgehen und wir erkennen, dass unser Leben viel mehr ist als das, was unser kleiner Verstand begreifen kann.
Ich muss also gar nicht erst auf ein großes, unerwartetes Ereignis warten. Es reicht, aufmerksam zu werden für die vielen kleinen Zeichen – ein Lächeln der Versöhnung; den Mut zu handeln; die Kraft, die da ist, wenn sie gebraucht wird; die Stille, wenn alles gesagt ist.
Ich hab es gut, ich bin jetzt im Ferienlager. Dort bin ich umgeben von wundervollen Menschen. Nicht nur die Kinder, sondern auch und vor allem das Team, das großartige Arbeit leistet und dabei trotzdem immer noch alle im Blick hat. Was bin ich für ein Glückpilz!
Wunder gibt es nämlich wirklich immer wieder. Sie geschehen jeden Tag. Es liegt an uns, sie zu erkennen und zu schätzen.
Text: Andrea Ludwig
Bild: Sylvio Krüger. In: Pfarrbriefservice.de





