Gedacht

ist nicht gesagt

 
 
„Das hab‘ ich so gar nicht gesagt!“ Das gehört bestimmt zu den meistgehörten Sätzen in Auseinandersetzungen der unterschiedlichsten Art. Vielleicht habe ich das ja tatsächlich so gesagt, aber ich hatte es anders gemeint. Jetzt fühle ich mich missverstanden und bin gekränkt. Und wenn ich gekränkt bin, dann bin ich eher ungnädig. Da unterstelle ich meinem Gegenüber gern böse Absichten, anstatt zu überlegen, ob ich da vielleicht einfach nur unglücklich formuliert habe. Die Auseinandersetzung eskaliert dann sehr leicht.
 
Vor vielen Jahren habe ich einmal ein Plakat gesehen auf dem stand:
 
  • Gedacht ist nicht gesagt.
  • Gesagt ist nicht gehört.
  • Gehört ist nicht verstanden.
  • Verstanden ist nicht „richtig“ verstanden.
Es war noch etwas länger, aber schon diese vier Sätze zeigen, wie schwierig es sein kann.
 
Zum Glück klappt es mit unseren Gesprächen ja meistens völlig problemlos. Oft muss ich einen Gedanken ja auch nur ansatzweise aussprechen und werden vollständig und richtig verstanden. Immer dann, wenn wir uns gut kennen und uns gut wollen, ist Kommunikation gar kein Problem.
 
Wenn wir uns aber nicht kennen oder – und das kommt häufiger vor – wenn wir dem anderen etwas unterstellen, dann kann es schwierig werden. Je nachdem, was ich vom anderen denke, fällt meine Ansage aus – je nachdem verstehe ich das Gesagte auch unterschiedlich. Oft sind es nur Kleinigkeiten, aber wachsen sich ja ganz schnell und fast von selbst zu großen Missverständnissen aus.
 
Es ist ein Dilemma. Jedenfalls beschreibt es der Verhaltensforscher Konrad Lorenz so. Und eigentlich brauchen wir dafür auch kein Wort – wir kennen es alle. So oder so ähnlich ist es uns schon oft ergangen. Und auch hier lässt sich das meiste leicht und unkompliziert klären.
 
Es gibt ja nur wenige Situationen, in denen wir wirklich nicht mehr gut zurechtkommen; in denen wir uns dauernd missverstanden fühlen, in denen Auseinandersetzungen eskalieren – selten wegen inhaltlicher Differenzen. Doch auch in diesen Situationen sind wir nicht hilflos. Wir können immer einen Prozess unterbrechen.
 
  • Wir können uns vergewissern, dass wir die andere richtig verstanden haben – also, so wie sie es gemeint hat und nicht so, wie es zu meinen Vorannahmen passt.
  • Wir können über unsere Gefühle reden – okay, das ist schwierig, aber auch nur, weil wir so ungeübt sind.
  • Wir können fragen, was der anderen wichtig ist und warum?
Es gibt viele Möglichkeiten, die mir leider in einer konkreten Situation oft nicht einfallen. Aber es ist ja nie zu spät für das Gute. Ich kann auch nach einer Situation noch einmal fragen, Rückmeldung geben, über meine Eindrücke sprechen.
 
Ich persönlich habe – gefühlt – vieles nicht so gesagt, wie es verstanden wurde. Aber ich habe oft erlebt, dass ich auch diesen Situationen gut wieder herauskommen kann. Bei den ganz schwierigen hilft es mir dabei immer, mit jemandem zu reden und mich meiner eigenen Eindrücke und Argumente zu vergewissern und ein Gebet. Das Gefühl, schwierige Situationen nicht allein bewältigen zu müssen, macht mich stark und gnädig.
 
Und dann klappt’s auch mit der Kommunikation…
 
 
 
 
 
 
Text: Andrea Ludwig
Bild: canva.com