nimm dir

was du brauchst!


Nimm dir, was du brauchst!
 
Das klingt ja sooo egoistisch! Gerade wie eine Aufforderung, rücksichtslos nur die eigenen Bedürfnisse und Wünsche im Blick zu haben - ein Eindruck, den das Bild gleich revidiert. Denn es geht um das, was ich brauche und nicht um das, was ich will.
 
Im Alltag verliere ich manchmal das Gespür dafür, was das eigentlich ist. Da kommt es vor, dass ich dafür sorge, dass ich habe, was ich haben will, ohne darauf zu achten, was jetzt wirklich dran ist. Noch ein Stündchen fernsehen, auch wenn ich das Stündchen besser schlafen sollte. Noch ein Schokolädchen, obwohl ich wirklich statt bin. Noch schnell dies noch schnell das.
 
Und vor lauter „dies und das“, in der Hektik des „das muss auch noch gemacht werden“ zwischen „hast du schon“ und „wolltest du nicht“ finde ich keine Ruhe. Keine Ruhe, um mal wirklich auf mich zu schauen, auf das, was mir wirklich gut tut, und auf das, was jetzt wirklich dran ist.
 
Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Mal ehrlich, ich möchte da nicht immer mein Nächster sein, da würde ich nämlich an manchen Tagen richtig schlecht behandelt.
 
Vieles von dem, was ich brauche, kann ich mir aber nicht selbst geben. Ich bin auf andere angewiesen, damit es mir gut geht. Ich brauche die Zuwendung und Bestätigung anderer, damit ich mich wohl fühle und damit ich aus dem Vollen schöpfen kann – ich brauche Rückmeldung und wohlwollende Kritik. Manchmal brauche ich eine Hand, die ungefragt anfasst. Und wenn mir jemand sagt, dass da noch Arbeit ist, brauche ich auch manchmal jemand, der mir zuflüstert „na und?“.
 
Und ich brauche bedingungslose Liebe und Zuwendung – Gegenwart ohne Wort und vor allem ohne Vorwürfe oder Belehrungen. Ab und zu brauch ich auch Schokolade.
 
Zum Glück geht es uns allen so oder so ähnlich und zum Glück geben wir das anderen auch. Ungefragt und wohlwollend bestätigen wir andere und wenden uns ihnen zu. In der Not fällt uns das übrigens leichter als wenn es uns oder dem anderen gut geht. Wir fragen uns nicht „was nützt es mir, wenn ich die jetzt anlächle?“ oder „soll ich mit dem reden?“ oder sowas. Wir tun es einfach. Wir wissen oft unbewusst ganz genau, was guttut. Teile von uns sind eben klüger als wir…
 
Nimm dir, was du brauchst. Und wenn du nicht sicher bist, probiere aus. Was wir dafür tun müssen, ist ziemlich einfach: wir müssen uns erlauben, einmal zur Ruhe zu kommen und unseren Gefühlen und Bedürfnissen nachspüren. Vielleicht reicht auch schon ein kleines Gebet oder einfach mal das Gesicht in die Sonne halten und innerlich zählen 21, 22 …
 
 
 
 
 
 
 
Text und Bild: Andrea Ludwig